Im Jahr 1984 begannen wir uns systematisch mit der Situation von Straßenkindern zu beschäftigen. Dabei mussten wir feststellen, dass diese Problematik dramatische Dimensionen erreicht hatte: weltweit wächst die Zahl der nichtsesshaften Kinder und Jugendlicher ständig. Straßenkinder sind ein gesellschaftliches Problemfeld, dass sich schon lange nicht mehr nur auf Metropolen der sogenannten Dritten Welt beschränkt. Auch die Großstädte Europas müssen sich mit diesem Thema zunehmend befassen. – Und “Straßenkinder” sind nur ein kleiner Teil der immer größer werdenden Gruppe sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher.
Ursachen für dieses Phänomen gibt es zahlreiche und sehr verschiedene. Besonders ausschlaggebend aber sind folgende Faktoren: Eine extrem ungleiche Einkommens- und Besitzverteilung, strukturell soziale Ungleichheit, die wachsende Verelendung breiter Bevölkerungsgruppen, der soziokulturelle Kontext, Bürgerkriege, die Land-Stadt-Migration, veränderte Bevölkerungsstrukturen, unflexible Schulsysteme, zunehmende Arbeitslosigkeit u.v.m.
Wissenschaft und Medien haben darauf reagiert und die unterschiedlichsten Veröffentlichungen herausgebracht. Gleichzeitig haben sich nationale und internationale Organisationen vielfältigen Problemlösungen verschrieben. Wirkung und Erfolg dieses Engagements sind jedoch relativ selten dokumentiert und/oder geraten in Vergessenheit. Hier setzt die Idee unseres Projekts an.
Das Internationalen Straßenkinder – Archiv ist ein Dokumentationszentrum, aber auch Forschungs- und Beratungszentrum. Ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt ist die Analyse von Veröffentlichungen über die Straßenkinderthematik in Fernsehfilmen, Projektberichten etc. hinsichtlich ihrer Aussagekraft. Darüberhinaus werden die Materialien und die Arbeiten in eine Datenbank eingepflegt, wodurch sie besser zur Verfügung gestellt werden können.
Es ist geplant am Aufbau eines Netzwerkes von Praxis- und Wissenschaftseinrichtungen mitzuwirken. Dieses Netzwerk soll dem Austausch von Erfahrungen und Erkenntnissen sowie der Verbesserung des Informationsbestand über die Thematik dienen. Anhand dieser Ausgangslage sollen Appelle und Forderungen an Gesellschaft und Politik besser unterlegt werden können. Weitere Arbeitsschwerpunkte des Projektes sind Konzeptentwicklungen, Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit.